Earthships: Häuser aus Abfall

Earthships: Häuser aus Abfall

3,5 Millionen Tonnen – So viel Müll verursacht die Weltbevölkerung pro Tag. Experten gehen davon aus, dass sich die Müllproduktion bis 2015 verdoppelt. Doch schon heute haben die Abfallberge massive Auswirkungen auf die Umwelt. Riesige Abfallfelder treiben in unseren Ozeanen, Müllverbrennungsanlagen pumpen jede Minute unzählige Schadstoffe in unsere Atmosphäre.

Doch was wäre, wenn wir diesen Müll sinnvoll nutzen können? Das dachte sich 1971 auch der amerikanische Architekt Michael Reynolds als er damals den ersten Prototyp eines Hauses baute, das er später als Earthship bezeichnen wird. Dabei handelte es sich um ein Haus aus alten Bierdosen in der Wüste New Mexicos.

,,Ein Schiff, auf dem stürmischen Ozean der Zukunft“

Sein Projekt erhielt derzeit viel mediale Aufmerksamkeit, wobei ihn die Berichte häufig als etwas schrulligen Idealisten darstellten. Zugegeben, optisch sticht der Erfinder des Earthships ebenso wie seine Werke hervor, mit seinem, langen, ungebändigten Haaren und dem Vollbart. Dazu passt auch seine poetische Begründung für die Bezeichnung seiner Recycling-Häuser als Earthship: „Ein Schiff, das auf dem stürmischen Ozean der Zukunft nicht untergeht.“

So wirklich an den Erfolg des Konzeptes haben wohl nur die Wenigsten geglaubt. Heute – etwa 45 Jahre nach dem ersten Earthship – hat der amerikanische Vorreiter-Architekt über 2.000 Projekte verwirklicht. Über 1.000 weitere Projekte wurden zwar nicht von Reynolds selbst, aber nach dem Vorbild seiner Häuser gebaut.

Autarkes Wohnen

Die grundlegende Bausubstanz für ein Earthship liefert Wohlstandsmüll. Die Wände bestehen im Kern meist aus alten Autorreifen, die mit Erde aufgefüllt und dann verputzt werden. Die Südfassade des Hauses besteht in einer Glasfront mit dem Ziel Sonnenwärme zu absorbieren. Die massive Bausubstanz der Wände ermöglicht das Speichern der Wärme über mehrere Wochen, sodass keine Heizung benötigt wird.

Und auch andere Versorgungssysteme der Recycling Häuser sind vollständig auf die Autarkie der Bewohner ausgerichtet. Für die Warmwasserversorgung fängt ein Becken auf dem Hausdach Regenwasser auf und speichert es in einer Zisterne. Das so gewonnene Wasser gelangt bis zu viermal in den Wasserkreislauf des Hauses. Verunreinigungen filtert ein speziell dafür angelegtes Blumenbeet innerhalb des Earthships heraus.

Die Stromversorgung in einem Earthship erfolgt in der Regel über Fotovoltaik. In sonnenschwachen Regionen werden auch Kleinwindkraftanlagen als Unterstützung eingesetzt.
Auf eine elektrische Lüftungsanlage wird in den meisten Häusern vollständig verzichtet. Durch Öffnen der speziell dafür eingebauten Oberlichter strömt kalte Luft ins Innere. Die warme Luft steigt auf und wird durch die Fenster nach Außen abgeführt.

Bis zu 500.000 Euro

Wer ein Earthship bauen möchte, hat verschiedene Möglichkeiten. Mit seinem Unternehmen Earthship Biotecture verkauft der Erfinder Reynolds Baupläne für seine Upcycling-Häuser. Je nach Modell kosten diese zwischen 1.000 und 8.000 Dollar. Mit dem Bauplan kann man Reynolds selbst oder einen von ihm ausgebildeten Architekten beauftragen. Insgesamt beläuft sich der Preis für ein vollständiges Earthship auf 200.000 bis 500.000 Dollar. Das mag zunächst viel klingen für ein Haus, das nahezu ausschließlich aus Müll besteht. Dafür fallen jedoch keine laufenden Kosten an.

Doch auch wenn das Geld zur Verfügung steht, ist der Bauauftrag keinesfalls gesichert. So lautet ein selbsterklärtes Leitmotiv Michael Reynolds`: „Ich mache es nur nicht, wenn es für Geld ist.“ Wer ein Earthship bauen möchte, benötigt also nicht nur das Geld, sondern auch die nötige Überzeugungskraft für den amerikanischen Architekten.

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Theresa Bruns

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